Die Läufer und Triathleten unter uns kennen das: Vor einem großen Wettkampf, wenn die Taperingphase beginnt und wir nichts mehr tun können, um unseren Fitnesszustand für diesen Wettkampf anzuheben, werden wir unruhig und zählen die Tage, bis es endlich losgeht. Obwohl wir wissen, dass die Taperingphase für uns immens wichtig ist und der Körper nach vielen harten Trainingswochen nach Ruhe und Entspannung lechzt, fühlen wir uns nichtsdestotrotz wie Rennpferde, die einfach nur losrennen bzw. losschwimmen wollen.

Geduld ist in der Regel nicht unsere Stärke. Nach der langen Vorbereitung und dem ständigen Fokus auf das tägliche Training, fehlt diese Ablenkung. Das leichte Training was wir jetzt noch runterspulen hilft da nicht mehr wirklich. Die Gedanken kreisen nur noch um diesen großen Wettkampf, für den wir so viel Zeit, Schweiß und Kraft investiert haben. Wie wird das Wetter werden? Viele von uns checken in der Taperingphase mehrmals täglich die Wettervorhersage. Total bescheuert, wenn man bedenkt, dass wir am Wetter sowieso nichts ändern können. Aber man kann sich ja mal informieren. Einmal, täglich, mehrmals am Tag.

Irgendwann beginnen die Panikanfälle. Was, wenn ich krank werde? Das ist doch ein Halskratzen, was ich da fühle? Überall erahnen wir Keime und Infekte, jeder Ausflug in die Öffentlichkeit mutiert zu einem gefährlichen Abenteuer. Ein Freund hat seinen Besuch angekündigt. Der glaubt wohl, er kann einfach so vorbei kommen, ohne vorher einen von uns zertifizierten Gesundheitstest zu durchlaufen?! Lieber Freund, Telefonieren und Chatten sind doch auch ganz schön, oder? Und überhaupt – habe ich heute schon meine Vitamine genommen? Ein bisschen Ingwer kann ja nicht schaden, um die Abwehrkräfte zu stärken. Meditation? Yoga? Bestimmt nicht schlecht, was für die innere Mitte zu tun.

Nun heißt dieser Blogartikel „die unerträglichen Leiden eines Groupies“ und nicht „Ausdauerhölle Tapering“. Warum? Weil die Taperingphase mindestens genauso schlimm für den liebenden Groupie ist! Denn der kann noch weniger machen, als der tapernde Athlet. Der den Athleten vergötternde Groupie kann nämlich nicht damit umgehen, selbst nichts tun zu können. Dieses Gefühl der Hilflosigkeit wird nur noch verstärkt, wenn der Groupie auch Ausdauerathlet ist. Denn diese besondere Groupie-Gattung weiß genau, wie sich der tapernde Athlet fühlt. Dieser Groupie weiß, dass der Athlet jetzt noch mehr als sonst schon mit sich selbst beschäftigt ist und alleine versuchen muss, sich auf das anstehende sportliche Highlight zu besinnen. Dieser Groupie weiß, dass, je mehr er versucht Einfluss zu nehmen und mit dem Athleten über den bevorstehenden Wettkampf zu sprechen, die Gefahr eines Athleten-Groupie-Konfliktes exponentiell wächst. Nein, der Athlet will nicht hunderttausendmal mit dem Groupie seine eigene Wettkampfstrategie durchgehen. Er will auch nicht noch vom Groupie hören, wie die Wetteraussichten noch vor 2 Stunden für den Tag X aussahen. Wind? Regen? Sturm? Schnauze, Groupie!

Aber wie soll der Groupie seine eigene Anspannung verarbeiten? Er muss doch mit irgendjemandem über den bevorstehenden Wettkampf reden können und sicherstellen, dass der Athlet auch perfekt vorbereitet ist. Was ziehst Du an? Was brauchst Du an Verpflegung? Meinst Du wirklich, das ist die richtige Wahl für den Wettkampf? Was machst Du, wenn es zwischendurch nicht so läuft?

Wie soll der Groupie sich außerdem selbst auf diesen Wettkampf vorbereiten? Denn schließlich ist nichts schlimmer, als das leidige Warten auf den geliebten Athleten, der nicht pünktlich wie vorher hochgerechnet aus dem Wasser kommt. Könnte er ertrunken sein? Ist er an der Wendeboje hängen geblieben? Und dann auf dem Rad – wo bleibt er? Reifenpanne? Vom Kampfrichter auf dem Motorrad überfahren? Im Dixieklo eingeschlossen? Wenn sich der Athlet dann endlich auf die Laufstrecke begeben hat, wird die Anspannung des Groupies nicht geringer. Reichen die Kräfte aus? Hat der Athlet sich richtig ernährt? Kann er der Hitze trotzen? Wo bleibt er nur? Ist er vielleicht auf einer Bananenschale ausgerutscht? Oder hat er sich am Getränk verschluckt? Unzählige Gedanken und diverse Horrorszenarien gehen dem Groupie während des Wettkampfs seines Athleten durch den Kopf. Nichts ist schlimmer als auf den geliebten Athleten zu warten, ohne selbst etwas tun zu können.

Wenn der herbeigesehnte Zieleinlauf dann allerdings endlich bevorsteht, schießt auch dem Groupie das Adrenalin ins Blut. So lange hat er gezittert, gebangt und Stoßgebete gesprochen – bis zu diesem Moment der totalen Erleichterung. Und dann geht auf einmal alles ganz schnell. Zieleinlauf, Jubel, Freude, Begeisterung, Stolz, Erschöpfung. Nur beim Athleten? Denkste! Der Groupie empfindet genau dieselben Emotionen wie der Athlet.

Wie kann sich der Groupie also ideal auf den großen Wettkampf seines Athleten vorbereiten, ohne letzteren dabei in seiner eigenen Vorbereitung zu stören? Auf dieselbe Art und Weise, wie es auch der Athlet tun sollte: Mit VORFREUDE. Wenn mich jemand fragt, wie ich mich am besten auf einen Wettkampf vorbereite, dann reicht für mich dieses eine Wort aus, um auszudrücken, was meiner Meinung nach der beste Weg ist, sich sowohl als Athlet, als auch als Groupie auf einen Wettkampf vorzubereiten. Ich konzentriere mich voll und ganz auf meine Vorfreude und gebe dadurch auch möglichen Ängsten erst gar keine Chance. VORFREUDE – das heißt auch sich an tolle Wettkampfmomente der Vergangenheit zu erinnern. Und, ganz wichtig, solche Momente für den bevorstehenden Wettkampf zu visualisieren.

VORFREUDE, VORFREUDE, VORFREUDE. Noch 4 Tage! Als Groupie muss ich sagen: Dieser Countdown macht mir zu schaffen. Schlimmer als vor jedem meiner eigenen Wettkämpfe. Ich weiß jetzt schon: Ich werde leiden. 6 Stunden oder länger. Es wird eine in diesem Jahr noch nicht dagewesene Hitze für den Tag X vorhergesagt. Ich werde leiden! Mental vielleicht sogar mehr als mein Athlet.

Aber wisst Ihr was? Dieses Leiden ist wie für den Athleten: Leider geil! Denn wenn mein Liebster es geschafft hat und die Ziellinie überquert hat, dann werde ich mit all den zuvor erwähnten positiven Emotionen überschüttet. Und das geilste Gefühl ist doch immer noch: Zu wissen, dass man selbst oder der Liebste all dem Leiden getrotzt hat und diese geile Leistung vollbracht hat.

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