Anti-Doping, Kampf gegen Doping aber wie

Doping im Sport – na und?

Seit 5 Tagen laufen die 30. Olympischen Sommerspiele in London. Und neben den sportlichen Wettkämpfen, Siegern, Verlierern und anderen Helden spielen auch Doping, Betrug und Politik wieder eine tragende Rolle.

Warum greifen Sportler zu Doping?

Ich bin selbst aktiver Leistungssportler. Auch ich kämpfe bei Wettkämpfen immer wieder gehen mich und andere Sportler. Auf die Idee zu dopen bin ich jedoch noch nie gekommen. Was also treibt Sportler dazu zu dopen?

Zum einen gibt es persönliche Gründe für Doping. So sucht der Sportler häufig nach Anerkennung und er weiß, dass er für das Erbringen von Höchstleistungen nur einen engen Zeitkorridor in seinem Leben zur Verfügung hat. Andere persönliche Aspekte sind auch die finanzielle Sicherheit durch die Leistungserbringung bzw. die Abhängigkeit von der Leistungserbringung (Sportförderung). Gerade die finanziellen Aspekte sind jedoch auch stark durch Einflüsse von aussen geprägt: Druck durch Sponsoren, Verbände und Medien.

Hinzu kommt eine zunehmende moralische Verklärung von Doping. Schließlich dopen alle anderen ja auch. Damit zeigt sich, dass das Thema Doping in ein komplexes Spannungsfeld aus externen und internen Faktoren steht. Dies zeigt auch eine sehr soziologische Sicht von Karl-Heinrich Bette und Uwe Schimank aus dem Jahr 2008: “In einer soziologischen Perspektive steht fest: Doping ist nicht das Resultat isolierter individueller Entscheidungen, die etwa auf Grundlage eines schlechten Charakters oder fehlgeleiteter Siegesambitionen getroffen würden. Doping ist vielmehr als ein “normaler Unfall” anzusehen, der sich im heutigen Spitzensport aufgrund genau benennbarer sozialer Bedingungen immer wieder neu ereignet. Die starke Dopingneigung, die in vielen Disziplinen zu beobachten ist, wird strukturell erzeugt. Sie ist das unbeabsichtigte Ergebnis des Zusammenwirkens unterschiedlichster Interessen aus Leistungssport, Wirtschaft, Politik, Massenmedien und Publikum.” [Link

Weiter beschreiben beide die unterschiedlichen Akteure wie Publikum, Massenmedien, Wirtschaft und natürlich Politik.

Die Medien haben zum Beispiel nach dem ersten Wochenende von einem Fehlstart bei Olympia gesprochen. Aha, Fehlstart. Nun ja, die Ruderer waren in allen 14 Bootsklassen eine Runde weiter gekommen. Die Hockey-Damen und -Herren haben ihre Auftaktspiele gewonnen. Beachvolleyball, Tennis, Badminton liefen ähnlich erfolgreich. Aber unser deutsches Olympiateam hatte einen Fehlstart. Durch die Medien und ihre häufig sensationslustige Berichterstattung kommt es zu einer gesteuerten Aufmerksamkeitszuteilung. Erfolgreiche, oder besser siegreiche Athleten erhalten mehr Aufmerksamkeit, als Athleten, die eine neue persönliche Bestleistung erreicht haben, jedoch trotzdem im Vorlauf ausgeschieden sind.

Bette und Schimank weisen auch noch auf einen wesentlichen anderen Aspekt hin: Dopingbekämpfung wird organisiert und verwaltet von den Sportverbänden. Also genau jenen, die mit am meisten von gedopten Sportlern profitieren. Dazu passt auch die Broschüre der Deutschen Sportjugend: “Sport ohne Doping! Reflektieren, Positionieren und Bewegen” [Link] Hier werden jungen Sportlern an Sportschulen einige Argumente an die Hand gegeben, warum man gegen Doping sein sollte. Es ist in meinen Augen ein hilfloser Versuch einen sauberen Sport zu fördern ohne die erforderlichen Spitzenleistungen aus den Augen zu verlieren. Denn in Wahrheit ist es doch eher so: Für den aktiven Sportler bleiben nur zwei Möglichkeiten, Teil des System werden oder aussteigen und auf den Sieg verzichten.

Doping in unserer Leistungsgesellschaft

Nun ist es ja nicht so, dass nur im Spitzensport zu Dopingmitteln gegriffen wird. Auch im Amateursport ist die Einnahme von verbotenen Substanzen durchaus keine Seltenheit. Hinzu kommen die vielen Menschen, die zu Dopingmitteln greifen um in ihrem nichtsportlichen Beruf Erfolge zu feiern. So wird in einem Zeitartikel [Link] aus einer Diplomarbeit von Doreen Liebold zitiert: “47 Prozent der Befragten waren in ihrem Beratungsalltag schon einmal mit dem Thema Leistungsdoping konfrontiert.” Hierbei handelte es sich um eine Untersuchung von Beratungsangeboten für Studenten unter dem Aspekt von zunehmenden Burn-Out im Studium. Alkohol, Koffeintabletten und EnergyDrinks zur kurzfristigen Leistungssteigerung sind allgemein bekannt und gesellschaftlich aktzeptiert. Wenn man ehrlich akzeptiert das Doping kein Problem des Sports ist sondern ein gesellschaftliches Problem, dann kann man auch über effektive Mittel zur Dopingbekämpfung nachdenken.

Möglichkeiten zur Dopingbekämpfung

Ein regelmäßig auftauchender Ansatz ist: jegliche Art von Profisport einfach  zu verbieten. Damit würden viele Gründe für Doping einfach eliminiert. Sicher aber nicht alle. Zumal die oben beschriebenen Bereiche Amateursport und “normales” Berufsleben nicht berührt wären.

Null-Toleranz ist der bisher vom IOC propagierte Weg. Heißt, wer erwischt wird, wird empfindlich bestraft. Dabei wird jedoch nicht betrachtet, dass hierfür alle Sportler zunächst unter Generalverdacht zu stellen sind, um ein flächendeckendes Kontrollsystem zu rechtfertigen. Hinzu kommt, dass die Sportverbände selber festlegen, welche Stoffe sie auf die Anti-Doping-Liste setzen. Die deutsche NADA ist am DOSB angegliedert. Wer hier einen Interessenskonflikt erwartet wird sicher nicht enttäuscht. Die NADA müsste als unabhängige NGO von unabhängigen Sponsoren aufgestellt sein.

Bis heute ist es auch nicht gelungen, eine eindeutige Definition für das Wort “Doping” zu entwickeln. Jeder Sportverband, Medienvertreter und Fan versteht etwas anders darunter. Die WADA beschreibt Doping als: “Doping is defined as the occurrence of one or more of the anti-doping rule violations set forth in Article 2.1 through Article 2.8 of the Code.” [Link] Doping ist also alles, was die Anti-Doping Regeln verletzt. Starke Definition.

Nach meiner Meinung ist mehr Aufklärung und Diskussion auf einer breiten gesellschaftlichen Ebene das einzig probate Mittel. Die Gesellschaft muss darüber diskutieren, wie man mit einem Grundsatz unserer Gesellschaft umgeht: Bisher haben wir Menschen uns immer nur dann weiterentwickelt, wenn einige Mutige Grenzen überwunden und definierte Regeln gebrochen haben. Dies spiegelt auch das in dieser Hinsicht problematische olympische Motto: citus, altius, fortius (Schneller, Höher, Stärker) wieder. Ein weiterer wichtiger Punkt dieser Diskussion wäre für mich das Schaffen einer einheitlichen Definition von Doping. Dazu muss mit Trainern, Athleten, Funktionären, Sponsoren, Medien und Fans eine Definition gefunden werden, die von einer großen Mehrheit getragen wird.

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