Wie jedes Jahr stand auch in diesem Jahr für uns der Citylauf Dresden auf dem Plan als einer der ersten Wettkämpfe der neuen Saison. Der 10km Lauf durch die Dresdner City, entlang der Elbe, mit Start und Ziel vor dem Dresdner Rathaus bietet immer eine wunderbare Gelegenheit für einen ersten Formtest und zur Standortbestimmung nach dem Wintertraining.

In diesem Jahr stand außerdem eine besondere Premiere auf dem Programm: Die erste Teilnahme unseres 2,5-jährigen Neffen am Bambinilauf. Der ganze Lärm im Start-/Zielbereich und die vielen Menschen waren Arthur zwar noch etwas suspekt und die anderen Kinder alle noch etwas größer – trotzdem kämpfte sich der kleine Kerl zusammen mit Papa, Mama, Onkel und Tante über die für ihn riesige Runde um das Rathaus herum. Das mit der Finishermedaille war dann auch noch etwas komisch. Mittlerweile ist das allerdings bereits Standard und bei jedem Wettkampf von uns fragt Arthur auch nach seiner Finishermedaille :-)

Nachdem wir den kleinen Kerl gebührend bejubelt hatten, hieß es dann sich langsam selbst auf den bevorstehenden 10km-Lauf vorzubereiten. Wobei wir sehr entspannt an die ganze Geschichte herangingen: Da ja in diesem Jahr der Fokus auf meinem Triathlondebüt liegt und auf dem dann noch größerem Debüt über die Mitteldistanz im September in Almere, hatte ich alles, nur nicht spezifisches Training für kurze Distanzen trainiert. Außerdem fühlte ich mich alles andere als fit. Carsten musste kränkelnd passen und auch ich hatte das Gefühl eines Erkältungsanfluges. Von daher ging ich ohne Erwartungen an die Startlinie und wollte einfach nur einen schönen Wettkampf bestreiten.

Aber unverhofft kommt oft: Unser Freund Kersten hatte sich kurzfristig überlegt, den 10er entspannt mitzulaufen (was ja normalerweise noch nicht mal eine Aufwärmdistanz für ihn ist). Da hatte er dann die spontane Idee, für mich den Hasen zu machen (obwohl ich ihm auf Bestzeitkurs eigentlich zu langsam war, haha). Mir wurde ein wenig mulmig, als Corinna mir Kerstens Idee eine Stunde vor dem Start mitteilte und ich hoffte ein wenig, dass das ganze nur eine fixe Idee war, da ich mich ja alles andere als fit fühlte. Aber einfach nicht zu viele Gedanken machen und Spaß haben – der Rest würde sich schon während des Laufes ergeben.

Neben der Premiere unseres kleinen Neffen bedeutete der Dresdner Citylauf in diesem Jahr auch eine Premiere für die Lultras (@lultras_eu). Zum ersten Mal starteten wir als Team gemeinsam in Dresden. Außerdem war unser Freund Norbert aus Hamburg angereist, um nach einem für ihn eher bescheidenen Fußballabend in Berlin das Wochenende für sich selbst sportlich erfolgreich abzuschließen. So gingen wir also mit einer kleinen, aber feinen Truppe an den Start: Norbert, Jürgen, Bernhard, Kersten und meine Wenigkeit. Carsten leistete uns trotz schwerer Erkältung großartigen Support. Letzteren bekamen wir außerdem in voller Dröhnung von der lieben Corinna.

Kersten, Bernhard und ich drehten vor dem Start noch ein kleines Aufwärmründchen, was bei den doch recht niedrigen Temperaturen und der bevorstehenden kurzen Distanz sicher eine gute Maßnahme war. Und dann ging es auch schon los. Als der Startschuss ertönte, fokussierte ich mich darauf, mich erstmal zügig und heile durch das Startgewühl zu kämpfen. Kurz nach dem Start nimmt man in Dresden eine scharfe Rechtskurve, läuft dann ein kurzes Stück auf Kopfsteinpflaster, ehe man auf eine etwas breitere Straße abbiegt. Kurz darauf steht noch einmal eine scharfe Rechtskurve an und ein kurzes Teilstück erneut auf Pflastersteinen entlang einer Straßenbahnlinie. Hier heißt es also vollste Konzentration wahren und möglichst zügig aus dem Gewühl entfliehen. Dies gelang mir recht gut. Und ratet mal wer ganz schnell an meiner Seite war? Ja, der Kersten! Er machte also seine „Drohung“ wahr und wollte mich tatsächlich begleiten. Das spornte mich an. Wenn ich schon die Gelegenheit hatte, einen so schnellen Hasen an meiner Seite zu haben, der sich „opferte“, um mir zu einem schnellen Lauf zu verhelfen, dann musste ich mich bei ihm auch mit einer gebührenden Leistung bedanken! Nach den ersten beiden Kilometern merkte ich auch, dass ich mich trotz des für mich doch recht ungewohnt zügigen Tempos wohl fühlte und ich glaubte das Tempo auch über den größten Teil der 10km-Distanz halten zu können. Also spontan alles auf eine neue Bestzeit setzen!

Da ich im vergangenen Jahr einen ordentlichen Sprung im Laufen gemacht, dabei jedoch keinen 10km Wettkampf bei ordentlichen Bedingungen absolviert habe (meine Bestzeit von 51:27min stammte bis hierher von der Citynight in Berlin bei Temperaturen von knapp 30 Grad), wusste ich auch, dass ich eine Zeit um die 50min locker drauf haben sollte. Allerdings ging ich davon aus, dass dies nur bei entsprechender Laufvorbereitung und entsprechendem Tempotraining möglich sei. Beides hatte ich bis dato jedoch völlig vernachlässigt, da ja mein diesjähriger Fokus auf der HalfIronman-Triathlondistanz liegt. Als Kersten und ich jedoch die ersten drei Kilometer gemeinsam absolviert hatten und wir in einem Schnitt deutlich unter 50min unterwegs waren, wurde mir bewusst, dass die sub50 heute zum ersten Mal für mich fallen könnte. Ich teilte Kersten daher mit, dass ich ihm einen ausgeben würde, wenn wir sub50 ins Ziel kämen. Seine Antwort: „Aber klar, das schaffen wir locker!“ Während mich Kersten also Schritt für Schritt zu einer ungeahnten Zielzeit führte, hatte ich noch mental mit dem Gedanken zu kämpfen, dass ich unter den gegebenen Trainingsumständen so schnell laufen könnte. Aber Kersten zog mich unaufhaltsam weiter. Am Ende der 5km-Runde, die man entsprechend 2 Mal absolvieren muss, wartet immer eine längere Steigung (ja, ich als Niederrheinerin nenne das definitiv einen steilen Berg! :-)), die man überwinden muss. Das ging auf der ersten Runde ganz gut, jedoch merkte ich danach, dass sich die Beine nicht mehr ganz so frisch anfühlten und ich ahnte, dass die zweite Runde nach hintenheraus nicht mehr so lustig werden könnte.

Ab Kilometer 7 wurde es dann langsam hart für mich und ich war heilfroh, dass Kersten an meiner Seite war, mir den Weg ebnete und mich anfeuerte. So kam ich noch recht gut über die beiden vorletzten Kilometer, ehe dann der „Schlussanstieg“ bevorstand. Hier hatte ich zu knaupeln, auch Kersten merkte das und er rief mir noch zu: „Kleine Schritte machen!“ Ich versuchte seinen Rat zu beherzigen, vielleicht fragt Ihr ihn besser nicht, ob ich seine Tipps auch gut umgesetzt habe ;-) Die nicht eingeplante Bestzeit vor Augen und die vorhandene Dankbarkeit für Kersten waren allerdings auch Motivation genug für mich, um noch mal richtig zu beißen und das Ganze auch ordentlich ins Ziel zu bringen. Beim Blick auf die Uhr im Ziel konnte ich dann meinen Augen kaum trauen: 48:24min – gut 3 Minuten unter meiner bisherigen Bestzeit und das ohne Tempotraining – GEIL!

Was soll ich sagen? Ein ganz fettes Dankeschön an Kersten für seinen spontanen Haseneinsatz! Das ist alles andere als selbstverständlich und ich empfinde auch heute noch mit etwas Abstand und einer mittlerweile erneut unterbotenen Bestzeit (mehr dazu könnt Ihr sehr bald hier lesen) große Dankbarkeit für seinen Einsatz. Und die angemessene Entlohnung für den Hasen steht zwar noch aus, ist aber nicht vergessen! Danke, Kersten!

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1 Antwort
  1. Laufwelt sagte:

    Super, herzlichen Glückwunsch zur neuen (alten) Bestzeit! Bei Deinem derzeitigen Trainingspensum war aber auch klar, dass die Bestzeit selbst ohne Tempotraining folgen muss :-)

    Weiterhin alles Gute für Dein Triathlontraining!

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