Frauen im Ausdauersport – dieses Thema beschäftigt mich nun schon seit einiger Zeit. Wenn man sich so wie wir viel auf Lauf- und Triathlonveranstaltungen herumtreibt, dann fällt einem schnell auf, dass die Frauenquote gegenüber der Anzahl männlicher Teilnehmer deutlich hinterher hinkt. Leider werden wir auch desöfteren mit diversen Stereotypen konfrontiert. Um diese Stereotypen sehr deutlich zu machen, hier eine Auswahl:

Frauen sind nicht Manns genug, um diesen Sport zu betreiben.

oder:

Frauen haben nicht genug Eier.

oder etwas unwissenschaftlicher dahergesagt:

Frauen haben nicht dieselben biologischen Voraussetzungen wie Männer. Deshalb sind weniger Frauen in der Lage einen Marathon zu laufen oder einen Triathlon zu finishen.

Ich muss sagen, in den vergangenen Jahren habe ich zu viele chauvinistische Theorien gehört, die angeblich erklären warum weniger Frauen als Männer an Ausdauerwettkämpfen teilnehmen. Leider ist unsere Gesellschaft auch noch weit entfernt davon, gleichberechtigt zu sein. Krude, undurchdachte Theorien (von Männern) zur Frauenquote bei Ausdauersportwettkämpfen sind für mich nur ein Sinnbild von einer immer noch nicht gleichberechtigten Gesellschaft.

Frauen im Ausdauersport – Bedarf das wirklich noch Erklärung?

Aufgrund einer chauvinistisch geäußerten Theorie habe ich mich im Herbst 2014 dazu entschlossen, Triathlon zu machen. Wer mich kennt weiß, dass ich Läuferin aus Leidenschaft bin. Laufen ist für mich Leben und die beste Therapie für jegliche Alltagsprobleme. Schwimmen und Radfahren gehören jedoch nicht zu meinen Spezialitäten. Nein, schlimmer. Ich sage immer, es muss ein großer Fehler sein, dass ich vom Sternzeichen Fische bin. Und beim Radfahren zeigen sich diverse muskuläre Schwachpunkte bei mir leider sehr deutlich. Trotzdem habe ich mich vor zwei Jahren in einem Diskussionsmoment aus Trotz dazu entschieden, 2015 Triathlonwettkämpfe zu bestreiten. Weil ich eine Frau bin. Weil wir Frauen genauso in der Lage sind, einen Marathon zu laufen, einen Triathlon zu finishen oder Ultraläuferin zu werden wie Männer. Ich werde auch weiterhin mein bestes geben, um die Fahnen der Frauen hochzuhalten. Denn ich bin eine Frau die sich entschieden gegen die chauvinistische Idee wehrt, dass sie zum „schwächeren Geschlecht“ gehört.

Niedriger Frauenanteil bei Ausdauersportveranstaltungen

Aber warum ist es dann so, dass der Frauenanteil bei Lauf- und Triathlonveranstaltungen niedriger als der der Männer ist? Ich werde mich in nächster Zeit intensiv mit diesem Thema auseinandersetzen und Euch davon berichten. Ich werde Statistiken auswerten und Hypothesen zum niedrigeren Frauenanteil aufstellen. Sehr gerne möchte ich auch Eure Meinung zu diesem Thema erfahren. Und liebe Frauen, Euch möchte ich eindringlich dazu ermutigen, es mir gleich zu tun und Ausdauerwettkampfsportlerin zu werden. Es ist wunderbar, wenn man die Ziellinie überquert. Glaubt mir!

3 Kommentare
  1. Mathias sagte:

    Hallo Hannah!

    Das ist eine spannende Frage. Schade, dass du persönlich negative Erfahrungen mit Männern im Ausdauersport gemacht hast. Glücklicherweise gibt es seitens der Veranstalter von Ausdauer-Wettkämpfen hierzulande keine Beschränkungen für den Zugang von Frauen. Das Problem scheint deshalb am ehesten in der Familie oder im Bekannten- und Freundeskreis zu liegen. Beim Rollenverständnis muss ich dir zustimmen, frage mich – als Mann – aber mitunter, warum Frauen im 21. Jahrhundert die tradierten Rollen überhaupt noch annehmen. Manche tun das ja völlig ohne Not, was natürlich nicht auf alle Frauen zutrifft, die sich weniger zutrauen als (ihre) Männer.

    Wenn du bei deinen Recherchen auf eine empirische Untersuchung zum Geschlechterverhältnis im Ausdauersport stößt, würde uns das sehr interessieren.

    Das Thema ist sogar Gegenstand einer UN-Initiative:
    http://www.un.org/womenwatch/daw/public/Women%20and%20Sport.pdf

    Vielleicht stimmt es dich versöhnlich, dass sich beim Marathon und Triathlon Training bereits viele Männer von einer Trainerin wie Anke sagen lassen, was sie tun sollen ;-)

    Viel Erfolg! Komm gesund ins Ziel!

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  2. Alexandra sagte:

    Hallo Hannah, sehr interessante Beobachtungen und ich bin schon sehr gespannt auf weitere Untersuchungen. Meine Theorie ist folgende und sie verallgemeinert ganz arg: Frauen sind nicht so kompetitiv, im Allgemeinen und in unterschiedlichen Lebensbereichen. Deshalb sind sie auch nicht immer an beruflichen Karrieren interessiert, zumindest nicht an solchen Karrieren, die nach männlichen (Wett)kampfregeln ausgefochten werden. Und beim Ausdauersport ist es ähnlich, denke ich. Zwei Frauen fahren nebeneinander Fahrrad. Punkt. Zwei Männer fahren und messen sich, mehr oder weniger offensichtlich. Ich glaube, es gibt deutlich mehr Ausdauersportlerinnen als sichtbar sind. Viele haben einfach nur keine Lust auf Wettkampf(!). Denk ich mir so. Ganz übel verallgemeinert, weiß ich schon. Diese Theorie erklärt mir aber leider nicht, warum so wenig Frauen Rennrad fahren. Wenn du da eine Antwort hast …
    Viele Grüße aus München
    Alexandra

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