In diesen Tagen finden sich in den Social Media viele Jahresrückblicke. So habe auch ich nach dem Motto #bestnine2016 einen kurzen Rückblick auf mein sportliches Jahr gewagt. Hier möchte ich nun etwas ausführlicher über meine Saison 2016 berichten.

Jahresrückblick – Frühjahr 2016

Für uns stand das erste Highlight mit dem Barcelona Marathon im März an. Da dieser in 2016 an meinem Geburtstag stattfand, sah ich dies als eine perfekte Gelegenheit, meinen Geburtstag zu feiern und gleichzeitig dem Älterwerden zu trotzen :-) Leider verletzte ich mich in der Vorbereitung. Mit einer hartnäckigen Leistenzerrung musste ich in den Vorbereitungswochen, in denen man die Grundsteine für den Marathon legt, pausieren. Drei Wochen komplette Laufpause. Die Form und die Grundlage für den Marathon waren vollkommen dahin bzw. gar nicht erst aufgebaut. Wäre es ein „normaler“ Marathon gewesen, wäre ich sicher nicht an den Start gegangen. Aber es war Barcelona. Wir hatten bereits den verbundenen Kurzurlaub gebucht – und wenn wir eh schon dort waren, wollte ich zumindest versuchen zu finishen. Mir war durchaus bewusst, dass dieser Marathon sehr hart werden würde. Aber ich wusste auch um meine mentale Stärke. Und ich wollte diesen Marathon unbedingt laufen. So startete ich sehr bewusst völlig stressfrei. Meine Uhr hatte ich nicht umgelegt, um mir keinen Zeitstress zu machen und nur nach Gefühl zu laufen. Außerdem machte ich auf dem Weg Fotos und postete diese live von der Strecke. Bis zum Halbmarathon kam ich so sehr gut durch. Die zweite Hälfte wurde dann ein einziger Kampf und der Barcelona Marathon war mit der härteste Wettkampf, den ich je gelaufen bin. Aber ich bin sehr stolz, dass ich den Marathon ohne Vorbereitung durchgezogen habe.

Danach hieß es für mich dann erstmal wieder den Knochen etwas Ruhe gönnen und Geduld im kompletten Neuaufbau beweisen. Ich nahm mit dem Citylauf Dresden (10km), dem Airport Night Run (10km) und dem Berliner Halbmarathon Wettkämpfe im Rahmen des Aufbautrainings mit, um mich zu pushen. Es gibt Läufer*innen, die Wettkämpfe nur mit Vollgas laufen können bzw. diese nur laufen, wenn sie top in Form sind. Ich gehöre nicht dazu. Ich genieße dieses ganz besondere Wettkampffeeling und muss mich nicht bei jedem offiziellen Rennen abschießen oder Bestzeit laufen. Egal ob ich völlig kaputt oder total entspannt bin, über die Ziellinie zu laufen ist für mich immer etwas Besonderes.

Dann kam mein vielerwähntes Treppenintermezzo. Eigentlich nur als Volunteer für die Küchennachtschicht eingeplant, avancierte ich kurzfristig zum Ersatz-Treppenengel und machte den bisher geilsten Wettkampf meines Lebens. In der Dreierseilschaft mit Maty und Bere lief ich dreißig Mal die Treppenrunde hoch und runter und konnte damit dazu beitragen, dass wir auf dem Treppchen landeten. Eine Wahnsinns-Erfahrung eine solche Leistung aus der Kalten abzurufen. Ich bin sehr dankbar für diese Möglichkeit und werde das ganz besondere Flair des Treppenmarathons in Zukunft sicherlich noch oft genießen. Vielleicht dann ja auch irgendwann als Einzelläuferin?

Nach der Treppe konnte ich mich (erwartungsgemäß) vier Tage lang nicht bewegen. Da galt mehr denn je: Der Schmerz geht, der Stolz bleibt. Nach sechs Tagen Laufpause stieg ich mit dem Oberelbe Marathon wieder ins Training ein. Typisch Hannah, gleich wieder mit einem Wettkampf zu starten :-) Über die halbe Distanz lief ich glücklich ins Ziel. Glücklich, dass ich mich wieder bewegen konnte und wegen des noch vielfach vorhandenen Restendorphins von der Treppe :-)

Im Mai dann ein weiterer Wettkampf, bei dem ich zum ersten Mal meine Form testete. Beim Big 25 lief ich über die 25km eine sehr ordentliche Zeit – die Halbmarathonmarke passierte ich mit der zweitschnellsten Zeit, die ich je auf einen Halbmarathon gelaufen bin. Eine Woche später musste ich bei hohen Temperaturen beim Vivawest Marathon sehr leiden und schleppte mich über die Halbmarathondistanz ins Ziel. Hier merkte ich auch die vielen Wettkämpfe der vorangegangenen Wochen. Denn auch wenn ich einige Wettkämpfe nicht im Vollgasmodus gelaufen bin, lief ich diese doch in zügigem Tempo. Wie das eben so ist, wenn man an der Startlinie steht. Aus Belastungsgründen kann man die Läufe sicherlich nicht als reine Trainingsläufe bewerten.

Der Sommer – es wird trailig im Jahresrückblick

So stand nun auch eine Wettkampfpause im Juni an. Inspiriert durch den Treppenmarathon entschied ich mich, mich für meinen ersten richtigen Trailwettkampf anzumelden. Mit dem Sachsentrail Anfang Juli bot sich eine wunderbare Gelegenheit, es mit 34km und knapp 1000 Höhenmeter (dies ist die halbe Distanz des Sachsentrails) nicht gleich zu übertreiben, gleichzeitig aber trotzdem genug gefordert zu werden. So verlegte ich im Juni einige Trainingseinheiten in den Grunewald, um Höhenmeter zu sammeln und Trailluft zu schnuppern. Verbesserungen auf dem Trail stellten sich schnell ein. Ich war gut vorbereitet und finishte den Sachsentrail überglücklich und mit einer unerwartet guten Platzierung. Ein wunderbarer Traillauf, den ich nur wärmstens weiterempfehlen kann.

Im Rahmen der Adidas Runners City Night Ende Juli durfte ich ein wunderbares Sportwochenende verbringen. Mit unseren Laufgästen aus Paris, einer neuen 10km Bestzeit und einem 1A-Eventwochenende organisiert durch die Adidas Runners Berlin erlebte ich eines der besten Wochenenden in 2016.

Danach stand für mich die Frage im Raum, was im zweiten Halbjahr noch kommen sollte. Ich war hochmotiviert weitere Trailwettkampfluft zu schnuppern und meldete mich kurzerhand für den Pfalztrail im September an. Ein Trailwettkampf vergleichbar mit dem Sachsentrail: 32km und gut 700 Höhenmeter. Außerdem entschied ich mich spontan, im August bei der Mauerweglauf-Viererstaffel den 37km Part zu laufen. Beide Entscheidungen, insbesondere die für den Pfalztrail, waren aus heutiger Sicht nicht besonders sinnvoll und mein Körper machte mir dies auch schnell klar. Die Mauerweglaufstaffel musste ich kurzfristig absagen, da ich mir auf einer Dienstreise in Norwegen eine fette Erkältung eingehandelt hatte.

Dann verletzte ich mich am hinteren Oberschenkel. Innerlich wollte ich es nicht wahrhaben. Also ging ich nach drei Tagen Laufpause beim Nachtlauf in Dresden über die 13,8km an den Start. Bereits auf den ersten Metern merkte ich, dass dies keine gute Idee war. Trotzdem lief ich den Lauf krampfhaft zu Ende. So folgte eine weitere Pause und erst danach suchte ich einen Arzt auf. Hier muss ich sagen, dass die Verletzung ihr Gutes hatte – ich habe endlich einen Sportarzt in Berlin gefunden, dem ich vertraue. Das zählt zu den positiven Punkten meines Laufjahres 2016. Mit Hilfe des Doc-Zuspruchs, der mir einen Muskelfaserriß diagnostizierte, machte ich mich zum zweiten Mal in diesem Jahr an das Projekt „Marathon laufen ohne vernünftige Vorbereitung“. Den Pfalztrail hatte ich bereits abgehackt, den Berlin Marathon Ende September wollte ich unbedingt laufen.

Zum Herbst gehören die Marathons, wie der Osterhase zu Ostern

Die Situation war besser, als vor dem Barcelona Marathon. Ich hatte in den Sommermonaten doch einige Kilometer gesammelt und auch einige längere Läufe in den Beinen. Daher war ich optimistisch, dass mit dem OK des Docs ein Finish beim Berlin Marathon kein Problem darstellen sollte. Ich nahm mich auch in die Pflicht, den Wettkampf bloß nicht zu schnell zu laufen. Eine Bestzeit war aufgrund der wiederkehrenden Verletzungsproblematik nicht drin, also konnte ich es vollkommen entspannt angehen. So nutzte ich die Gelegenheit, um einen Freund zu pacen. Das war auf jeden Fall eine der besseren Entscheidungen, die ich 2016 getroffen habe. Ich lief den Marathon sehr entspannt und mit großer Freude, ohne das große Nach-Marathon-Aua.

Nach dem Berlin Marathon stand ein letzter Wettkampf für das Laufjahr 2016 auf dem Plan: Die Premiere des Dünenläufers. Wir nutzten diesen um einen Kurzurlaub unmittelbar vor unserem eigentlichen Urlaub zu machen. Die 24km beim Dünenläufer scheuchte mich Carsten auf der zweiten Streckenhälfte nach vorne, getrieben von der vorderen Frauenplatzierung, die hier möglich war. Ich finishte kaputt, aber glücklich, als fünfte Frau und Erste in meiner Altersklasse.

Der Dünenläufer war ein sehr schöner Abschluss der Saison 2016, die für mich persönlich mit vielen Ups and Downs bestückt war. Hier noch mal meine Highlights: Ich konnte wieder einmal viele Wettkämpfe bestreiten. Mit dem Mount Everest Treppenmarathon und dem Sachsentrail konnte ich zwei  Ausrufezeichen setzen. Ein Ultratreppenrennen und einen Trailwettkampf hatte ich zuvor noch nie bestritten. Außerdem habe ich trotz diverser Verletzungsprobleme zwei Marathons gefinisht. Meine 10km Bestzeit konnte ich bei der Adidas Runners City Night um knapp eine Minute unterbieten. Beim Dünenläufer konnte ich mit Platz 1 in meiner Altersklasse ein gelungenes Saisonende feiern.

Bedanken für ein ereignisreiches Jahr möchte ich mich bei Euch (chronologisch): Danke Patrick, für die Begleitung beim Berliner Halbmarathon! Danke Maty und Bere, für das großartige Teamerlebnis „Dreierseilschaft beim METM„! Danke Heiko, für die Begleitung beim Big25! Danke Frederic, für die Begleitung beim Vivawest Marathon! Danke Adidas Runners Berlin, für ein tolles Jahr mit vielen besonderen Community Highlights! Danke Pouria, für die super Doc-Betreuung!

Und zuletzt: Danke Carsten, dafür dass Du immer an meiner Seite bist.

2 Kommentare
  1. Patrick sagte:

    Sehr schön geschrieben! Unfassbar, wenn man mal wieder auf ein zurückliegendes Jahr schaut. Was man dann doch wieder alles absolviert hat, erstaunt mich doch immer wieder.

    Danke auch an Dich, der Halbmarathon in Berlin und auch alle weiteren Events bei Euch haben mir stets Kraft, Motivation und Freude für meine eigenen Ziele gebracht. Möge das in 2017 ebenfalls so sein ;-)

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    • Hannah sagte:

      Hi Patrick,

      ja, das Zurückblicken hat mir durchaus gezeigt, dass ich doch wieder einiges geleistet habe und ich habe meine eigenen Schlüsse ziehen können, was ich in diesem Jahr besser machen kann.

      Wir freuen uns schon auf viele weitere gemeinsame Momente mit Dir in 2017!

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