Lange habe ich mit mir gerungen. Als ich im vergangenen Jahr aus einer Laune heraus entschieden habe, dass ich in 2015 mein Triathlondebüt geben werde, waren (wie üblich) dem Wahnsinn keine Grenzen gesetzt. Wenn Triathlon, dann auch gleich richtig – eine Mitteldistanz muss doch da schon drin sein. Schließlich bin ich mittlerweile eine ordentliche Marathonläuferin und was soll ich mich mit einer Olympischen Distanz auseinandersetzen, wenn ich da kürzer unterwegs bin als bei einem Marathon?

Die Menschen, die mich kennen, wissen, dass ich mir immer große Ziele setzen muss. Ich brauche die Herausforderung, um auf etwas hinzuarbeiten. Auch wenn das Ziel Mitteldistanz in einem Jahr, als ordentliche Läuferin, miserable Rennradanfängerin und absolute Katastrophen(nicht)schwimmerin recht wahnwitzig erschien, glaubte ich doch daran, dass es machbar sei. Zielzeiten waren mir schließlich egal und durch meine große mentale Stärke im Wettkampf sollte es doch machbar sein einen 70.3 Triathlon mit der entsprechenden Vorbereitung zu finishen. Soweit die Theorie.

Theorie war dann auch das Stichwort. Da Carsten sich auch entschieden hatte in 2015 sein Mitteldistanzdebüt zu geben, büffelten wir Herrn Friel (Carsten mehr, ich weniger. Ich muss zugeben, dass ich im Sport nicht die größte Theoretikerin bin und mein Liebster sich da deutlich mehr mit Trainingsplänen und –philosophien beschäftigt. Ich für meinen Teil zehre eher von meinen jahrelangen Erfahrungen als Leistungssportlerin und glaube mich und meinen Körper und die entsprechenden Trainingsbedarfe ganz gut zu kennen). So stellte Carsten einen entsprechenden Plan für uns zusammen – wir orientierten uns an den mittleren Angaben bezüglich des Trainingspensums, die Friel für eine Mitteldistanz vorgibt. Bereits im Spätherbst/frühen Winter begannen wir mit dem Trainingsaufbau. Für mich bedeutete das ein ganz neues Trainingprogramm, denn bisher war ich in der Regel maximal 4mal in der Woche gelaufen plus im Idealfall 2 wöchentliche Kraft- oder Stabitrainingseinheiten. Nun hieß es Schwimmen, Radfahren, Laufen, Kraft. Das war natürlich eine ganz andere Belastung. Doch ich war guten Mutes, denn die ersten Trainingseffekte stellen sich bei einer Einsteigerin ja bekanntlich schnell ein und es war in meinen Augen ja auch noch genug Zeit bis zu meinem großen Ziel – der Mitteldistanz in Almere-Amsterdam im September 2015.

Obwohl es laut Friel zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht notwendig war, testete ich bereits zu Jahresbeginn ein wenig die Umfänge, die Friel in der unmittelbaren Vorbereitung auf eine Mitteldistanz vorgibt, um ein Gefühl dafür zu entwickeln, inwieweit ich bereit für die entsprechenden Umfänge sei. Und obwohl ich die Umfänge häufig nicht packte und teilweise auch sehr platt war, war ich doch sehr zufrieden und nach wie vor zuversichtlich, dass Almere 2015 zu packen sei. Hinzu kam dann, dass ich im Winter/Frühjahr 2015 einige tolle Laufwettkämpfe auf den Asphalt knallte mit neuen, sehr deutlichen Bestzeiten über die 10km und die Halbmarathondistanz und das ganz ohne spezifisches Lauftraining.

Doch je näher nun der Sommer kam, umso größer wurden die Zweifel an meinem Vorhaben 70.3. Im Schwimmen kam ich zwar in Minischritten voran, doch dies nur im Rahmen meines einwöchigen Anfängerkraulkurses. An Kraulen über längere Distanzen und das noch in akzeptabler Geschwindigkeit war nicht zu denken. Dann noch mein erstes (und bisher einziges) Schwimmerlebnis im Freiwasser vor 2 Wochen – der Horror. Wie soll es machbar sein 1,9km im Freiwasser zu schwimmen, ohne dabei zu ertrinken? Ich habe dazu noch keine passende Antwort. Das Radtraining brachte auch nicht den gewünschten, schnellen Erfolg. Die längeren Ausfahrten (60-80km) mit Carsten waren für mich immer sehr anstrengend und hauten mich wöchentlich um (leider teilweise auch im wahrsten Sinne des Wortes), bei einer sehr niedrigen Geschwindigkeit. Wenn mich 60-80km Radfahren (häufig mit Pause) umhauten, wie sollte ich da 90km mit 1,9km Schwimmen in Beinen und Armen fahren und danach noch einen Halbmarathon laufen? Unvorstellbar. Und doch verlor ich nie den Mut und glaubte immer an mein großes Ziel. Es gab ja durchaus auch Lichtblicke. Den Velothon in Berlin z.B., wo ich recht locker in doch für mich sehr passablem Tempo die 66km fuhr und das gefühlt recht entspannt. So verlor ich die Angst vor dem Radfahren. Gut, da war immer noch dieses Schwimmen, aber das musste doch irgendwie gehen.

Die Realität der Trainingsmonate in 2015 besagte jedoch folgendes: Ich schaffte das Trainingspensum, das Friel für die Mitteldistanz vorgibt, bei weitem nicht. Dies lag/liegt zum einen daran, dass ich einfach körperlich noch nicht so weit bin, die entsprechenden Umfänge zu verkraften. Zum anderen schaffte ich es auch nicht das Pensum umzusetzen im Rahmen eines durchaus anstrengenden Fulltime-Jobs. Aber Aufgabe? Nein, das ist nicht mein Ding. Wenn ich mir etwas vorgenommen habe, dann bringe ich es in der Regel auch zu Ende. Und ich glaube auch nach wie vor daran, dass man nicht unbedingt die von Friel vorgegebenen Umfänge benötigt, um eine Mitteldistanz zu fininshen. Klar, je geringer die Umfänge, umso härter das Unterfangen. Aber mit mentaler Stärke kann man so einiges wettmachen.

Mit Carsten hatte ich irgendwann vereinbart, dass ich erst nach meinem Triathlondebüt Ende Juni entscheiden würde, ob ich den Weg nach Almere 2015 durchziehe, oder das Vorhaben 70.3 vorerst vertage. Die Abmachung war klar: Nach meinem ersten Volkstriathlon setzen wir uns in Ruhe zusammen, analysieren die vergangenen Monate und schauen, ob ein 70.3 Start im September 2015 für mich wirklich sinnvoll ist. „Sinnvoll“ – was bedeutet das für mich? Ganz klar: 1. Es ist machbar die 70.3 Distanz in unter 7 Stunden (offizieller Besenwagen in Almere) zu finishen. 2. Dies ist machbar, ohne dass daraus eine der beiden folgenden Konsequenzen auftreten: a. ich falle nach Almere in ein tiefes mentales Loch, weil das Vorhaben von mir mental alles abverlangt hat. b. ich sehe die Gefahr, dass ein Durchziehen des Vorhabens Almere 2015 in einer Verletzung endet.

Und nach dem vergangenem Wochenende trifft für mich der letztgenannte Fall b. zu. Bei unseren beiden Laufwettkämpfen, die wir am Freitagabend (15km Nachtlauf) und am Sonntag (Hella Halbmarathon) in Hamburg aus dem vollen Training bestritten, schrie mich mein Körper geradezu an. Bei jedem Schritt teilte mir mein Körper mit, dass er einfach nur noch müde ist. Die Muskulatur schien zu streiken und überall zwickte und zwackte es. Sogar Gedanken an DNFs kamen auf. Außerdem – und das war ein viel deutlicheres Zeichen für mich – hatte ich keinerlei Vorfreude auf die beiden Wettkämpfe. Normalerweise hüpfe ich am Wettkampftag in freudiger Erwartung wie ein aufgeregtes Huhn durch die Gegend und genieße diese Mischung aus Anspannung und Vorfreude sehr bewusst. Doch das fehlte diesmal komplett. Ich hatte eigentlich keine Lust auf die beiden Läufe, da ich selbst merkte, dass mein Körper streikte. Als doch recht erfahrene Leistungssportlerin wusste ich, was mein Körper zu mir sagte: Wenn Du jetzt nicht die Reißlinie ziehst, dann endet das Ganze in einer schweren Verletzung. Ich habe noch nie einen Ermüdungsbruch gehabt, aber ich stelle mir vor, dass man sich diesen genau in einer solchen Situation holt. Wenn der Körper streikt, man aber krampfhaft weitermacht, ohne auf die vielen kleinen Vorboten zu hören.

So fiel mein Entschluss bereits während des Halbmarathonlaufes am Sonntag. Almere 2015 ist für mich nicht sinnvoll! Ich will diesen Sport noch ganz viele Jahre mit Freude und wenn möglich verletzungsfrei betreiben. Etwas übers Knie brechen ist da die falsche Strategie.

Mein Körper verlangt nach Ruhe und die werde ich ihm geben. Mein Fokus liegt jetzt erstmal zum einen komplett auf meinen Tri-Premieren (Volksdistanz-Premiere an diesem Wochenende, Olympische Premiere Mitte Juli) bei gleichzeitiger Erholung und Pflege meines Körpers. Das heißt ich höre in den kommenden Wochen sehr tief in meinen Körper hinein und absolviere Trainingseinheiten nur im ausgeruhten Zustand. Die Grundlagen, um die Wettkämpfe problemlos durchzustehen, habe ich allemal. Und meine ersten Triathlonwettkämpfe sollen auch entsprechend zelebriert werden. Auch wenn es sich „nur“ um eine Volksdistanz handelt, ist der erste Triathlon trotzdem etwas Besonderes und wenn erfolgreich gefinisht auch eine besondere Leistung. Ich konzentriere mich jetzt auf die Vorfreude, wobei ich hoffe, dass mein Körper sich bis zum Wochenende noch ausreichend erholt und das viele Zwicken im Körper sich minimiert.

Die 70.3 Distanz ist nicht vom Tisch. Obwohl ich Almere 2015 abgesagt habe, steht mein Entschluss jetzt schon fest: 2016 soll es dann endlich mit der Mitteldistanz klappen. Bis dahin werde ich mich kontinuierlich vorbereiten und dann werde ich in einem Jahr bereit sein für die 70.3. Ich weiß noch nicht, wo ich meine erste Mitteldistanz machen werde, aber es soll ein großer Wettkampf werden. Das Erlebnis als Groupie beim IM 70.3 Kraichgau war einfach zu geil, als dass ich so was nicht auch als Athletin schnellstmöglich erleben will. Nächstes Jahr wird die Mitteldistanz gerockt. Jetzt wird aber erstmal alle Vorfreude auf dieses Rookieding gelegt! Ich hoffe ich ertrinke am Samstag nicht!

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