Zu Jahresbeginn findet der*die Athlet*in immer wieder eine Vielzahl von Infos und Posts zum Thema Motivation. Die vielen guten (Neujahrs-)Vorsätze sollen schließlich umgesetzt werden. Häufig werden Tipps zur besseren Organisation, Zieldefinition und Selbstmotivation gegeben. Ein Klassiker ist z.B. folgender Tipp: Legt eure Klamotten für den Frühsport immer bereits am Vorabend zurecht. Einen ganz guten Überblick könnt ihr bei Torsten im Ausdauerblog nachlesen. Torsten geht in seinem Beitrag (bzw. in seiner Beitragsserie) auch auf einen Aspekt ein, dem ich mich heute etwas näher widmen möchte. Bei Torsten ist das Kapitel unter der Überschrift “Finde dein Warum” nachzulesen.

Jahresplanung – Der definierte Weg zum Chaos

In meinem letzten Blogpost zur Jahresplanung habe ich bereits angedeutet, dass die diesjährige Wettkampfplanung etwas komplizierter war, da ich irgendwo zwischen keinen Wettkampf machen und alles Mögliche machen hin und her schwankte. Aber warum das alles? Warum war der Triathlet in mir plötzlich verschwunden? Karriereende in der Blütezeit eines Triathleten? Und genau diese Frage ließ mich zweifeln. Ich zweifelte daran, ob ich nicht gedanklich gerade mächtig auf dem Holzweg war. Wie kann ich meine Triathlon-Karriere für beendet erklären? Ich habe nicht mal mitbekommen, dass ich eine gestartet habe. Bei meinen Recherchen stolperte ich über einen Beitrag des Tri-Mag, der genau dieselbe Richtung einschlug. Nach reichlicher Überlegung bin ich dann zu dem Schluss gekommen, meine Karriere nicht zu beenden. Denn etwas, das ich nicht angefangen habe, kann ich auch nicht beenden.

Eine Frage blieb aber. Warum mache ich eigentlich Triathlon? Und wie das bei “Warum-Fragen” so ist, waren meine Gedankengänge recht vielschichtig. Ich habe mir zunächst überlegt, wie ich zum Triathlon gekommen bin. Und was sich seither verändert hat, dass ich heute Zweifel an meiner Entscheidung für den Triathlonsport habe.

Ich habe zwar keine Zeit, aber Triathlon macht Spass

Ich denke einige von euch sind einen ähnlichen Weg wie ich gegangen. Erst langsam aber stetig immer dicker werden, dann irgendwann aus voller Fahrt das Lenkrad rumreißen und massiv abnehmen (bei mir waren es 20kg), meist gepaart mit der Wiederentdeckung der eigenen Beweglichkeit. Ich habe damals in der Abnehmphase alles Mögliche an Sport gemacht. Neben Laufen und Fitnessstudio waren das noch Fußball, Volleyball, Badminton, Squash und Tischtennis. Mannschaftssportarten waren für mich schon immer nicht so einfach zu organisieren, da ich beruflich viel auf Reisen war. Regelmäßiges Training mit einer Mannschaft ist da nicht möglich. Außerdem ist es auch den Mitspielern gegenüber unfair, wenn man nur selten da ist, aber trotzdem an Ligaspielen teilnehmen möchte. Mit der Zeit kristallisierte sich daher der Individualsport für mich heraus. Mehr und mehr konzentrierte sich alles aufs Laufen, Radfahren, Schwimmen und Volleyball in einer Hobbymannschaft ohne Ligaspiele. Mit meinem Umzug nach Bremen schloss ich mich einem Triathlonverein an, um Zugang zu Schwimmzeiten zu bekommen und mit einer Gruppe Radfahren zu können. Immer nur alleine Sport machen ist ja auch langweilig. Tja, und schon stand ich das erste Mal an einer Startlinie bei einem Triathlon. In meiner ersten Saison startete ich bei zwei Olympischen und drei Sprintdistanzen. Plötzlich war ich Triathlet. Nicht wirklich geplant, nicht darauf hingearbeitet, aber es machte Spaß. Außerdem merkte ich schnell, dass außerhalb der Ausdauerszene Triathleten mit einer Mischung aus Bewunderung und Fassungslosigkeit betrachtet werden. Jeder von uns kennt sicher die Frage: Wie schaffst du das alles?

Motivation Triathlon – Lernen dran zu bleiben

In meinem zweiten Jahr als Triathlet wurde ich nicht wirklich schneller, obwohl ich gefühlt mehr trainierte. Ich erlebte auch erste Niederlagen, mein erstes DNF. Die Konsequenz daraus war einfach. Längere Distanzen angehen und sich so eine neue, nicht mit dem bisherig geleisteten vergleichbare, Herausforderung suchen. Ich fing an Marathon zu laufen und 2015 startete ich zum ersten Mal auf der Ironman 70.3 Distanz. Doch auch hier erreichte ich schnell mein “Optimum”. Wie also weiter? Langdistanz, Ultra laufen?

In den letzten Jahren versuchte ich bereits mit Trainingsplanung und Struktur meinen Leistungsanschlag zu verschieben. Und so erklärte ich 2016 kurzerhand zum Übergangsjahr auf dem Weg zur Langdistanz und mit dem klaren Ziel in allen Disziplinen schneller zu werden. Das hat im Laufen auch sehr gut geklappt, allerdings auf Kosten meiner Radleistung. Außerdem war der Aufwand dafür enorm. Gleichzeitig fing ich an, die Ursache für meine Stagnation zu suchen. Ich erkannte, dass ich genetisch bedingt limitiert bin und anatomisch ebenfalls starke Begrenzer habe. Allerdings keimte in mir auch die Erkenntnis heran, dass noch kein Meister vom Himmel gefallen ist.

In dieser selbstzerstörerischen Gedankenlage also die Frage: Warum mache ich Triathlon?

Ich mache es, weil mich das darunter liegende Spannungsfeld fasziniert. Ich bin begeistert davon, mich weiterzuentwickeln. Damit ist nicht nur die rein physische Leistung gemeint, sondern auch die mentale Komponente. Der Kampf gegen mich selbst, je länger die Distanz ist. Und wem außer meinem eigenen Körper kann ich Experimente antun?

Das wird auch in den nächsten Jahren die Maxime sein. Ich werde jede Trainingseinheit dahingehend hinterfragen ob sie mich körperlich nach vorne bringt und ob sie mir mental hilft. Das Mentale geht dabei von – mache Sport, weil es dir Spaß macht, bis – mache das jetzt, um dich auch mal zu quälen.

Motivation dank Mark Verstegen

Wer mehr zu dieser Maxime wissen möchte, dem empfehle ich die Bücher von Mark Verstegen. Mark Verstegen ist einer der ersten mir bekannten Fitness-Trainer, der mit seiner Firma einen ganzheitlichen Ansatz fuhr. Was heute in vielen Bereichen Einzug hält, wurde hier schon frühzeitig propagiert: Finde die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Training, Regeneration und deinen äußeren Einflüssen (Beruf, Familie, körperliche Ausgangsbasis usw.) und berücksichtige diese bei allem, was du tust.

Damit kann ich für mich ein sehr positives Fazit ziehen. Ohne die Motivationskrise hätte ich nicht angefangen darüber nachzudenken, woraus ich überhaupt meine Motivation ziehe. Im Ergebnis muss ich feststellen: Die Motivation den Sport auszuüben hat sich für mich geändert, aber eine Änderung der Motivation ist nicht weiter dramatisch. Hin und wieder ist es durchaus hilfreich sich die Frage nach dem “Warum” zu stellen. Daraus lässt sich meiner Meinung nach die meiste Energie schöpfen, um die eigenen Ziele zu erreichen. Und mein großes Ziel ist, noch lange Spaß an meinem Hobby Triathlon zu haben. In all seinen Fassetten, im Training, bei der Regeneration und auch im Wettkampf.

Wie steht es um euch? Kommt ihr ohne Motivationstief durch Sportjahr? Wie geht ihr mit fehlender oder auch übertriebener Motivation um? Was treibt euch an beim Sport? Schreibt es mir in den Kommentaren. 

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