U.TLW 2018 - Hannah Zieleinlauf

Heute möchte ich mit einem unangenehmen Thema um die Ecke biegen. Wer unsere Social Media Berichterstattung zu Hannahs Finish beim Ultra-Trail Lamer Winkel verfolgt hat, hat sicher gemerkt, dass wir nur so semi zufrieden waren.

Besonders ich als Hannahs Trainer habe mir nach dem Rennen so meine Gedanken gemacht.

Während Hannah natürlich stolz auf das sein kann, was sie erreicht hat, schließlich war es erst ihr dritter Ultra insgesamt und der erste auf extrem schwierigem Terrain, muss ich als Trainer immer auch selbstkritisch sein. Habe ich das Richtige zum richtigen Zeitpunkt getan?

Am Renntag selbst hat der Trainer ja keinen Einfluss mehr auf das Ergebnis, aber bis der Startschuss fällt, kann ich Dinge beeinflussen. Einige dieser Dinge möchte ich dir heute vorstellen. Ich habe dir die einzelnen Dinge in 3 Phasen eingeteilt.

  1. Trainingsphase – Vorbereitung und Planung
  2. Rennwochenende – Betreuung am Wettkampfwochenende
  3. Wettkampfauswertung – Rückschlüsse für die nächsten Wettkämpfe

Trainingsphase – Vorbereitung und Planung

Die Vorbereitung auf den U.TLW begann im Dezember 2017. Sechs Monate sind ein üblicher Zyklus um sich auf seinen Hauptwettkampf vorzubereiten. Unten habe ich dir mal Hannahs Monatskilometer und die dabei absolvierten Höhenmeter zur Übersicht dargestellt.

U.TLW 2018 - Laufkilometer Auswertung, Trainingssteuerung

Als Coach muss ich leider sagen, dass der U.TLW bereits im Februar verloren war. Zumindest was eine gute Zeit angeht. Nun ist es nicht so, dass wir das nicht auch schon im Februar und März gewusst hätten. Der Fehler, der mir passiert ist: Ich habe mich ein wenig vom guten April und Mai leiten lassen. Dabei habe ich die Auswirkungen vom Februar und März ein wenig aus den Augen verloren.

Was mich allerdings am meisten ärgert?

  1. Bei meinen anderen Athleten*innen ist mir das noch nie passiert!
  2. Die Daten von Trainingpeaks haben ganz klar gezeigt, dass die fehlenden Trainingskilometer einen bedeutenden Einfluss haben.

Zu 1. kann ich nur sagen, offenbar habe ich Hannah in diesem Moment nicht als meine Athletin gesehen, sondern mehr als Ehefrau. Was für unsere Liebe super ist, ist aus Trainersicht natürlich nicht so berauschend. Ziel ist es also: In Zukunft mehr Trainer und trotzdem Ehemann zu sein.

Zu 2. bleibt nur die Ergänzung: Wir setzen auf die richtigen Werkzeuge in der Trainingssteuerung. Jedoch muss du als Trainer natürlich auch darauf reagieren, womit ich in diesem Fall wieder auf Punkt 1 verweisen muss.

Rennwochenende – Betreuung vor dem Wettkampf

Hier gibt es eigentlich nicht so viel zu bemerken. Unsere Anreise am Tag vorher war ausreichend, da der Bayerische Wald nun mal kein Hochgebirge ist und eine große Anpassung des Körpers an klimatische Besonderheiten nicht notwendig ist.

Wer unsere älteren Rennberichte kennt, der weiß, dass ich bei Hannah keine mentale Vorbereitung betreiben muss. Hannah ist vom Kopf her am Tag X bisher immer bereit gewesen. So war es auch dieses Mal. Sie wusste genau, worauf sie beim Rennen achten muss, welche Cut-Off Zeiten zu beachten sind und wie sie das Ganze angehen sollte.

Als Trainer bleiben da nur noch ein paar beruhigende Worte, dass es klappen wird wie geplant.

Jetzt machen wir einen kleinen Sprung ins Ziel. Hannah hat also ihren 3.Ultramarathon gefinisht und ist 10 Minuten vor dem Zielschuss ins Ziel eingelaufen. Zeitweise war sie über eine Stunde vor den Cut-Off-Zeiten, konnte zum Schluss aber das Tempo und die Spannung nicht mehr hoch genug halten.

Wie toll der Lauf und die Landschaft sind zeigt dir nachfolgend noch unsere kleine Bildergalerie.

Wettkampfauswertung – Rückschlüsse für die nächsten Wettkämpfe

Im Nachgang unserer großen Wettkämpfe machen wir eigentlich immer eine Retroperspektive. Früher, als unser Blog noch null8null8 hieß, haben wir das meistens in Wettkampfberichten gemacht, heute handhaben wir das bei uns genauso professionell, wie bei den von uns betreuten Athleten*innen.

In diesem Fall gab es zunächst zwei Sichtweisen, die es zu bewerten gab:

  1. Die Sichtweise des Trainers: Enttäuschung
  2. Die Sichtweise der Athletin: Glücklich es geschafft zu haben

Hier muss ich ganz deutlich Kritik für mich als Trainer annehmen. Enttäuschung war absolut fehl am Platz. Das, was Hannah geleistet hat, war großartig und es gibt für Enttäuschung keinen Grund. Was nicht heißt, dass es noch besser geht. Und damit geht es ab in die tiefere Analyse.

Ich habe ja bereits oben formuliert, dass Hannah zum Schluss, am letzten Anstieg und auch Abstieg, die Spannung nicht mehr halten konnte.

Dies war eine unmittelbare Folge von diversen kleineren Trainingsfehlern, die sich am Ende aufsummiert haben. Unser Ansatz besteht nicht darin möglichst viele Trainingskilometer zu fressen. Wir sind eher darauf aus, so effizient wie möglich zu trainieren. Dies erfordert aber gerade im Bereich Mobility und Stabilität mehr Disziplin. Diese hat im Dezember und Januar etwas gefehlt. Auch hier muss leider festgestellt werden, dass die Fehler nicht in den letzten 6 Wochen passiert sind, sondern lange vorher.

Durch die etwas schleppende Vorbereitung haben wir, um das Gesamtziel nicht zu gefährden, die Tempo-Arbeit hinten angestellt. Dadurch fehlte aber nach dem zweiten und wichtigsten Unterwegs-Cut-Off ein wenig die Tempohärte. Dies war der richtige Kompromiss für dieses Rennen, in Zukunft wollen wir so einen Kompromiss aber nicht mehr eingehen müssen. Daher haben wir für das Jahr 2019 und erneut 3 Ultrarennen für Hannah und 2 für mich einen komplett neuen Aufbau gewählt. Dazu werden wir im Laufe des Jahres auch nochmal ausführlich berichten.

Als Trainer kann ich das ganze wie folgt zusammenfassen:

  1. Du bist immer und du musst immer 100% Trainer sein, auch wenn du gleichzeitig noch viele andere Rollen inne hast.
  2. Athleten*innen mit einer starken mentalen Einstellung zu trainieren ist nicht immer leichter, auch wenn es zunächst so scheint.
  3. Wir besitzen die richtigen Tools und Methoden um Sportler*innen professionell zu betreuen.
  4. Für den Trainer ist der Weg das Ziel, für den/die Athleten*in ist das Ergebnis entscheidend.
  5. Als Athlet*in steckt viel mehr Potential in uns, als wir bis jetzt abgerufen haben.

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