10 Wochen Vorbereitungszeit, Losglück für den Startplatz, viele Liter Trainingsschweiß, so manch aufgeriebene Stelle am Körper… Alles das war am 28.9. 2014 um 8:55 Uhr Geschichte. Ab diesem Moment zählte nur das jetzt, das hier und die 42.195km die vor uns lagen. Das Wetter war uns wohl gesonnen. Beim Start waren es 13 Grad, wolkenlos und windstill. Im Laufe des Tages sollte die Temperatur auf 20 Grad ansteigen, dies war perfekt um im Ziel auch den Moment genießen zu können.

Der Tag begann um 6 Uhr. Wie üblich bei Wettkämpfen standen wir ca. 3h vor dem Start auf und versuchten langsam den Kreislauf in Gang zu bekommen. Kurzes Frühstück, Sachen packen und auf ging es. Gemeinsam mit Laufgast Birte und Nachbar Heiner machten wir uns um 7 Uhr auf den Weg zum Startbereich. Bereits in der U-Bahn gesellten sich immer mehr Menschen in Sportsachen zu uns. Ab der U-Bahn-Haltestelle Friedrichstrasse ging es zu Fuß mit einem schier endlosen Strom an Läufern in Richtung Startbereich. Dank der sehr guten Veranstaltungsorganisation waren die Sachen schnell abgegeben und ohne große Probleme begaben wir uns in unseren Startblock. Pünktlich um 8:45 Uhr startete das Elite-Feld, dicht gefolgt von Birte in Block D.

 

Rennbericht Carsten

Die Vorbereitung lief bis zum Halbmarathon in Halle (Saale) sehr gut. Dieser und der noch ausstehende letzte lange Lauf liefen jedoch nicht mehr nach Plan. Zur Sicherheit habe ich meinen Zeitplan angepasst. 3:45h war jetzt das erklärte Ziel. 5:20min/km der neu geplante Schnitt. Also suchte ich mir den 3:45 Zeitläufer und positionierte mich am Start in seiner Nähe.

Um 8:55 Uhr wurde unsere Startgruppe auf die lange Reise durch Berlin geschickt. Die ersten km hieß es Rhythmus finden und sich im Meer der tausend Beine zu behaupten. Ich orientierte mich am 3:45h Zeitläufer und wir liefen die ersten 4km konstant in 5:20min/km. Km 5 und 6 liefen wir nur noch 5:30 min/km. Ich schaute dem Zeitläufer kurz ins Gesicht und hatte nicht das Gefühl, dass das Ganze noch was wird und lief wieder einen Schritt schneller (5:15min/km). Bis km 15 konnte ich das Tempo ziemlich konstant halten. Alles lief nach Plan. Bei km 19 hatte ich plötzlich extremen Hunger. Ich verringerte leicht mein Tempo und kämpfte mich bis zum nächsten Versorgungspunkt. Im Live-Test stellte ich fest, dass ich Banane während des Laufens essen kann und machte mich weiter. Allerdings war ich nun völlig aus dem Tritt. Bei km 23 die erste kurze Gehpause, bei km 24 hat mich Hannah überholt und in diesem Moment änderte ich mein Ziel von 3:45h in irgendwie ins Ziel kommen. Schließlich hatten wir uns ein Finisher-Shirt gekauft. Damit ich das jemals tragen kann musste ich also irgendwie über diese Ziellinie kommen. Die Zuschauer an der Strecke ließen einen auch keinen Moment daran zweifeln das Ziel zu erreichen. Ich konnte nicht anders als immer wieder weiterlaufen.

Ab km 26 entschied ich mich für die eins einser Technik. 1km laufen, 1km gehen…immer im Wechsel, bis ins Ziel. Welches ich schließlich auch nach 4:36h erreichte.

BerlinMarathonEinzel01 BerlinMarathonEinzel02

 
 
 
 
 

Rennbericht Hannah

Der 41.Berlin Marathon sollte mein 3.Marathon überhaupt werden. Nach Düsseldorf 2013 und Liverpool 2014 wollte ich in Berlin unbedingt unter 4 Stunden bleiben. Da sich im Training frühzeitig abzeichnete, dass bei gutem Verlauf die sub4 eigentlich fallen sollten, visierte ich in der Vorbereitung eine Zeit zwischen 3:50 und 4 Stunden an.

Leider musste ich in der unmittelbaren Marathonvorbereitung einige gesundheitliche Rückschläge hinnehmen. So musste ich u.a. sowohl den Vorbereitungs-Halbmarathon in Halle 3 Wochen vor Berlin, als auch den 32er mit 10km Endbeschleunigung 2 Wochen vor dem Marathon ersatzlos ausfallen lassen. Die Zuversicht, die ich zu Beginn der Marathonvorbereitung auf Berlin noch hatte, schwand so immer mehr.

Nichtsdestotrotz war ich wahnsinnig froh, als es endlich soweit war. Es war wie eine Erlösung für mich, als am Wettkampfmorgen der Wecker um 6 Uhr klingelte. Normalerweise bin ich alles andere als ein Morgenmensch, aber an Wettkampftagen kann ich meistens meine Freude auf den Wettkampf gleich beim Aufstehen in positive Energie umsetzen und freudig aus dem Bett hüpfen. So auch am Morgen des Berlin Marathons.

Meine Vorfreude auf die anstehenden 42,195km wurde nur noch größer, als Carsten, Birte, Heiner und ich uns gemeinsam auf den Weg zum Start machten. Es war eine außergewöhnliche Atmosphäre, als wir die U-Bahn betraten und sich dort praktisch ausschließlich Läufer befanden. Die Menschen, die sich “aus Versehen” am frühen Sonntag Morgen in den öffentlichen Nahverkehr Berlins verirrt hatten, kamen sich sicher auch wie im falschen Film vor.

Vor Ort ging dann alles sehr schnell und schon standen wir im Startblock. Die internationale Atmosphäre mit Läufern aus aller Welt war bereits im Startblock gigantisch. Als wir dann die ersten Meter auf der Straße des 17.Juni in Richtung Siegessäule liefen, konnte ich nicht anders, als übers ganze Gesicht zu grinsen.

Ich hatte mir einen Schnitt von 5:30min pro Kilometer vorgenommen. Auf keinen Fall wollte ich den Fehler begehen und zu schnell loslaufen. Das schien mir insbesondere auf den ersten 6-7 Kilometern allerdings auch unmöglich, denn es waren so unglaublich viele Läufer auf der Strecke, dass ich überhaupt froh war, mein anvisiertes Tempo laufen zu können. Man musste schon hochkonzentriert laufen, um nicht dem/der Vorderläufer(in) in die Hacken zu laufen.

Ab Kilometer 8 lief es sich für mich dann gefühlt etwas entspannter in Bezug auf die Masse der Läufer vor, neben und hinter mir. Ich orientierte mich immer an meinen 5-Kilometer-Zwischenzeiten und war bedacht, mein Anfangstempo von knapp 5:30min/km zu halten. Dies lief bis zu Kilometer 30 absolut top. Danach merkte ich, wie mich langsam die marathontypische Müdigkeit überkam. Ich konnte diese aber durch meine an diesem Tag omnipräsente mentale Stärke gut ausblenden. Auch wenn die Kilometer gefühlt länger und länger wurden, ließ ich mich nicht beirren und kämpfte mich weiterhin mit einem Schnitt um die 5:30min/km voran. Als ich dann Kilometer 40 knapp unter 3:40 Stunden (dies entsprach genau einem Schnitt von 5:30min/km), wusste ich, dass ich über den Berg war und eine Zeit ganz locker unter 4 Stunden erreichen würde. Beflügelt von diesem Wissen rief ich mir innerlich noch einmal in Erinnerung, was für mich das wichtigste bei Laufevents dieser Art ist – ich will die Läufe bewusst erleben und meine eigene Leistung auch bewusst genießen. Dies fiel mir unter den gegebenen Umständen nicht schwer: Eine neue Bestzeit so gut wie in der Tasche, unzählige Menschen an der Strecke, die Lärm machten ohne Ende, ein Zieleinlauf wie aus dem Bilderbuch mit einer langen Geraden Unter den Linden, durchs Brandenburger Tor und dann noch wenige 100 Meter zum Ziel umrandet von zahlreichen, jubelnden Zuschauern. Ich konnte nicht anders als auf dem gesamten letzten Kilometer über beide Ohren zu grinsen und ein paar Freudentränen zu verdrücken. Was für ein unglaubliches Gefühl.

Wirkliche Marathonschmerzen, wie ich sie bei meinen beiden vorherigen Marathons in Düsseldorf und Liverpool durchlitten hatte, hatte ich zu keinem Zeitpunkt während des 41.Berlin Marathons. Erst als ich jubelnd die Ziellinie überquert hatte und vom Laufschritt ins Gehen überging, merkte ich, wie mein Körper mit mir schimpfte. Auf einmal tat alles weh. So wurde der gefühlt unendlich lange Weg von der Ziellinie hin zu den Verpflegungsständen und der Kleiderausgabe der mit Abstand härteste “Streckenabschnitt” bei meinem Berlin Marathon 2014 :-). Im Zielbereich traf ich dann Birte, die in fantastischen 3:25 Stunden ins Ziel gekommen war. Auch ich war mit meiner Zielzeit von 3:51:23 Stunden überglücklich. Damit war ich 10 Minuten schneller als 4 Monate zuvor in Liverpool. Auch wenn Carsten leider “nur” über sein Finish zufrieden war, genossen wir nichtsdestotrotz dann noch das Post-Marathon-Gefühl bei herrlichem Wetter in toller Kulisse. Das Bild der unzähligen Läufer, die kaputt, aber glücklich, die Wiese vor dem Reichstag besiedelten, werde ich nie vergessen. Der Berlin Marathon 2014 war für mich rundum toll – oder, wie ich kurz, aber prägnant zusammenfasste: Das war ein geiler Marathon! An dieser Stelle sei den vielen vielen Helfern gedankt, ohne die diese fantastische Laufveranstaltung nicht möglich wäre! DANKE!

 

Und was geschah danach?

Hannah hatte so unglaublich viel Adrenalin in ihrem Blut, was bei dieser Wahnsinnsleistung nur mehr als verständlich war, dass wir beschlossen auch die Afterraceparty am Abend zu besuchen. Zuvor traffen wir uns noch mit vielen Unbekannten Bekannten aus dem #Twitterlauftreff auf eine Curry-Wurst am Mehringdamm.

Auf der Afterraceparty konnten wir noch einmal den Siegern bei den Damen und Herren, sowie Anna Hahner unseren Respekt zollen und sie gebührend für ihre grandiosen Leistungen feiern.

An dieser Stelle sei auch eine kritische Bemerkung zur Veranstaltung angemerkt. Aufgrund einer irrsinnigen Vergabepraxis waren von den 40.000 gemeldeten nur 29.000 Läufer ins Ziel gekommen. Zudem ist ein vollständig eingegattertes und abgesperrtes Veranstaltungsgelände (Start-/Zielbereich) gerade nach dem Marathon nicht besonders geeignet, um das Erlebte zu genießen und dem Ereignis Marathon und der Veranstaltung die Aufmerksamkeit zu Teil kommen zu lassen, die sie verdient hat. Die eigentliche Durchführung war hervorragend, die Zuschauer einfach nur der Wahnsinn und ein ganz besonderes Highlight in unseren Wettkampferinnerungen.

Obwohl wir uns am Montag (also 24h nach dem Marathon) kaum bewegen konnten schmiedeten wir bereits die WK-Pläne für 2015. Darüber werden wir demnächst auch hier noch ein wenig berichten. So viel sei schon verraten: Der Spass am langen Laufen und am Triathlon wird ein wesentlicher Teil unseres Lebens bleiben!!

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