Marathon de Paris- Finsherphoto Medal

Paris, die Stadt der Liebe. Was kann es schöneres geben, als in dieser wunderbaren Stadt den mittlerweile zweitgrößten Marathon der Welt (nach dem New York Marathon) zu laufen?

Das dachten wir uns im Frühjahr letzten Jahres und entschieden uns, dass der Paris Marathon nach Liverpool, Tokio und Barcelona unser vierter großer Marathon im Ausland werden sollte. Obwohl Paris der größte Marathon Europas ist, kann man sich (noch) ohne Einschränkung für diesen Marathon anmelden. D.h. es gibt keine Lotterie oder Qualifikationszeiten wie bei den meisten großen internationalen Marathons. Hier gilt noch: First come, first serve. Und das bedeutet keineswegs, dass man früh dran sein muss, um einen Startplatz zu ergattern, sondern man kann sich auch zu einem späteren Zeitpunkt für den Paris Marathon einschreiben. Nur ist dabei zu beachten, dass die Anmeldung beim Paris Marathon preislich gestaffelt ist – je früher man sich anmeldet, desto günstiger ist der Startplatz.

Wie der Zufall manchmal wunderbare Geschichten schreibt, lernten wir im Juli letzten Jahres Camille und Arnaud kennen. Die beiden sind ein Läuferpärchen aus Paris und waren bei uns zur City Night Berlin zu Gast. Unser Kennenlernen machte die großartige adidas Runners Community möglich. So kam es, dass die Beiden uns für den Paris Marathon zu sich einluden. Was für eine tolle Sache – wir würden also nicht nur den Paris Marathon bestreiten, sondern konnten gleichzeitig auch noch den Paris Besuch mit einem Besuch bei unseren französischen Freunden verbinden.

Für uns war bereits recht früh in diesem Jahr klar, dass der Paris Marathon kein schneller Marathon werden wird. Da bei mir die Planung in diesem Jahr komplett darauf ausgerichtet ist, mich  zur Ultramarathonläuferin aufzubauen, liegt der Trainingsfokus auf den Kilometern, während  Tempotraining nicht vorgesehen ist. Da passte der Paris Marathon wunderbar als langer Vorbereitungslauf für den Rennsteiglauf in den Trainingsplan. Auch Carsten wollte in Paris nicht schnell laufen, sondern den Marathon richtig genießen und somit auch einen Schlussstrich unter das ein oder andere Negativmarathonerlebnis der Vergangenheit setzen.

Breakfast Run mit Croissant unter dem Eiffelturm 

So flogen wir doch recht entspannt am Freitag Abend nach Paris und freuten uns riesig, Camille und Arnaud wiederzusehen. Da musste dann auch mal die Marathon-Vorbereitungsstrenge etwas beiseite gelegt werden bei einem Bier im Irish Pub :-) Am Samstag Morgen stand für uns der Breakfast Run auf dem Programm. Mit 3.000 Gleichgesinnten machten wir uns am Louvre auf den Weg einer 5km Sightseeing Running Tour mit Endstation Eiffelturm. Bei strahlendem Sonnenschein genossen wir die Atmosphäre und konnten uns somit bereits auf den Marathon am Sonntag einstimmen.

Raceday – Marathon laufen in der Stadt der Liebe

Und dann klingelte auch schon der Wecker am frühen Sonntagmorgen. Nach dem obligatorischen Marathon-Weißbrotfrühstück machten wir uns auf den Weg zum Arc de Triomphe. Dort angekommen suchten wir verzweifelt nach Hinweisschildern zur Gepäckabgabe. Leider lange Zeit erfolglos, so dass wir in Zeitstress gerieten und es nicht mehr rechtzeitig in unseren Startblock schafften. Wir waren wohl nicht die einzigen, denen es so erging. Etliche weitere Läufer standen fünfzehn Minuten vor dem Start vor unserem geschlossenen Block. Wir waren aber recht sicher, dass wir mit unserem Startschuss in den Block gelassen würden und so war es dann auch. Mit 43.752 anderen Läufer*innen machten wir uns auf den 42,195km langen Weg durch Paris. Sehr angenehm war es, dass man auf den ersten Metern die Champs-Élysées leicht abwärts hinunterlaufen konnte. Mit Blick auf das Riesenrad am Place de la Concorde konnten wir uns so wunderbar darauf einstimmen, was in den nächsten Stunden noch auf uns zu kam. Bei Kilometer 5 passierten wir zum ersten Mal den Place de la Concorde. Weiter ging es durch die Straßen der Stadt bis zu Kilometer 9, wo wir in den Park Bois de Vincennes abbogen. Hier liefen wir eine 10km Schleife, die zu großen Teilen zuschauerfrei war. Positiv an diesem heißen Tag war jedoch, dass der Bois de Vincennes uns ausreichend Schatten bot. Mit Verlassen des Parks machten wir uns wieder auf den Weg in Richtung des Place de la Concorde, den wir bei Kilometer 22 passierten. Die Hälfte war geschafft und für mich ging der Marathon jetzt erst richtig los. Ich hatte 20km gebraucht, um zu meiner Lockerheit zu finden, während Carsten die erste Hälfte doch sehr entspannt an meiner Seite zurücklegte. Nach 23 Kilometern ging es dann herunter an die Seine und wir sollten diesen Weg bis Kilometer 31 nicht mehr verlassen.

Nur gut, dass auch einige Highlights auf uns warteten: Bei Kilometer 24 die Cathédrale Notre-Dame gefolgt vom Musée d’Orsay und schließlich einem herrlichen Blick auf den Eiffelturm bei Kilometer 29. Die Strecke entlang der Seine hatte es in sich. Immer wieder mussten wir durch Tunnel laufen, inklusive der Rampen, die erst hinunter und dann wieder hoch führten. Hier hatten bereits einige Läufer*innen schwer zu kämpfen, während wir diesen welligen Streckenabschnitt ohne Probleme absolvierten. Dem Trailtraining sei Dank!

Nach 34 Kilometern ging es für uns in den Bois de Boulogne, dem zweiten langen Teilabschnitt im Park. Diesmal liefen wir jedoch nicht wieder in totaler Einsamkeit, wie es noch im Bois de Vincennes der Fall gewesen war. Im Gegenteil – der Bois de Boulogne bot einige Zuschauerhotspots, die uns nochmal einen richtigen Kick gaben. Mittlerweile waren die Temperaturen auf 24 Grad angestiegen und der Bois de Boulogne bot uns leider keinen Schatten. Ich hatte mit der Hitze zu kämpfen und nutzte jede Getränke- und Wasserstation, um mich mit einer Wasserdusche abzukühlen. Bei Kilometer 35 warteten Camille und Arnaud und ihre Anfeuerungen sollten uns noch einmal pushen.

Paris Marathon laufen - Raceday Paris Marathon laufen - Raceday Paris Marathon laufen - Raceday

Jetzt hieß es sich durchzubeißen auf den verbleibenen 7km. Während wir entschlossen weiter Richtung Ziel trabten, blieben etliche Läufer*innen stehen bzw. stellten das Laufen ein. Obwohl wir uns nicht so weit hinten im Läuferfeld befanden, betraf dies sicherlich 50% der Läufer*innen um uns herum! Der zu dieser Jahreszeit ungewohnten Hitze mussten also sehr viele Läufer*innen Tribut zollen. Das bedeutete für uns, dass die letzten Kilometer doppelt schwer wurden. Denn uns bot sich ein wahrer Zickzack-Slalom-Kurs ob der vielen menschlichen Hindernissen, die sich nur noch ganz langsam spazierend oder gar nicht mehr fortbewegten. Leider mussten wir auch mitansehen, wie einige Läufer*innen kollabiert am Streckenrand lagen und von Sanitätern versorgt werden mussten. Ein Marathon ist kein Zuckerschlecken und gerade bei ungewohnten Temperaturen ist die Gefahr groß, dass man sich übernimmt. Es ist so wichtig, seinen eigenen Körper zu kennen. Bitte horcht immer gut in Euch hinein und geht keine unsinnigen Risiken ein!

Bei Kilometer 40 passierten wir die Fondation Louis Vuitton, ein Privatmuseum, welches auf Initiative des Vorstandsvorsitzenden des gleichnamigen Modellabels gebaut wurde. Ein sehr imposantes, farbenfrohes Gebäude, welches besonders Carsten, den moderne Architektur begeistert, ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Ich erfreute mich eher der 40km Marke, die ich beim Spaziergang am Tag nach dem Marathon noch einmal passierte.

Paris Marathon laufen - Postrace

Jetzt waren es nur noch etwas mehr als 2km. Als wir dann kurz vor der 42km-Marke den Bois de Boulogne verließen und durch große Zuschauermassen liefen, ließen wir unseren Emotionen freien Lauf. Wir feierten mit den Zuschauern und unseren Mitläufer(n)innen die letzten Meter des Paris Marathon 2017. Hand in Hand liefen wir über die Ziellinie in der Stadt der Liebe.

Paris Marathon laufen - Finish

Am Ende stand eine offizielle Zielzeit von 4:11:59 Stunden auf der Uhr. Perfekt, denn unser Plan war es gewesen, den Marathon im 6er Schnitt zu laufen. Mit offiziellen 5:58 und inoffiziellen 5:52 Minuten pro Kilometer (wenn man die Distanz meiner Garminuhr als Maßstab nimmt) liefen wir minimal schneller, als es unser Plan gewesen war.

Paris Marathon laufen - Postrace

Fazit

Was bleibt abschliessend zu sagen? Der Paris Marathon ist definitiv eine Reise wert. Die Atmosphäre ist wie bei den meisten großen internationalen Marathons hervorragend und die Zuschauer an der Strecke pushen die Läufer*innen ordentlich nach vorne. Die Strecke ist sehr abwechslungsreich mit Abschnitten quer durch die Stadt, dem Tunnel-Rampenteilstück entlang der Seine und den beiden Parkabschnitten auf dem ersten und letzten Drittel der Strecke. Der Startbereich ist aufgrund des guten U-Bahnnetzes einfach zu erreichen. Einzig die fehlende Beschilderung und Information zur Gepäckabgabe vor dem Start hat uns zu schaffen gemacht. Die Startkosten für den kommenden Paris Marathon liegen zwischen 80€ (erste Anmeldephase) und 119€ (finale Anmeldephase). Eine frühe Anmeldung lohnt sich also. Im Preis des diesjährigen Paris Marathon waren Rucksack, Finishermedaille und ein Finishershirt inbegriffen.

Wer von Euch war auch schon in Paris am Start und wie sind Eure Erfahrungen? Wir freuen uns wie immer auf Eure Kommentare!

2 Kommentare
  1. EarnYourBacon sagte:

    Ach wie schön, von Euch zu lesen, dass ihr den Marathon genau so toll fandet wie ich. Auch wenn er bei mir am Anfang suboptimal lief, war es einfach ein großartiges Erlebnis. Und mit seiner großen Liebe über die Ziellinie laufen zu können… was gibt es schöneres? Glückwunsch an euch zwei!

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    • Hannah sagte:

      Danke Dir, liebe Carola! Ja, der Paris Marathon hat uns gut gefallen. Es war schon etwas Besonderes, dass wir in Paris Hand in Hand ins Ziel laufen konnten. Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, wir kommen wieder, denn dafür ist unser Drang, möglichst viele verschiedene große Marathons zu erleben, zu groß. Aber wenn sich die Gelegenheit bietet den Paris Marathon nochmal zu laufen, sagen wir sicherlich nicht nein :-)

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